Frostige Nachtschicht brachte gute Ernte

BNN vom  07. Januar 2004

Riesling-Eiswein-Trauben aus dem Zeuterner "Himmelreich" hatten bis zu 155 Grad Öchsle

"Den ohnehin ausgezeichneten Weinjahrgang 2003 krönte das Odenheimer Weingut Karl Hirsch jetzt mit der Lese eines rekordverdächtigen Riesling-Eisweins im gutseigenen Wingert im Zeuterner "Himmelreich". Seit Anfang Dezember lagen beim nervenaufreibenden "Eiswein-Poker" die warmen Kleider, Winterstiefel, Handschuhe, Mützen und Schals bereit, denn sie sind ein wichtiger Teil der Utensilien, die für die angekündigte frostige Winzer-Nachtschicht benötigt wurden. Bereit war auch die Herbst-Mannschaft von Karl und Elisabeth Hirsch, die täglich aufmerksam die Wettervorhersagen studierten, denn für die Eisweinlese sind Minusgrade von mindestens sieben Grad Celsius die wichtigste Vorraussetzung.
In der Nacht auf Samstag war es schließlich soweit: Schon um 2 Uhr am Morgen fuhr Karl Hirsch zu seinem Weinberg hoch über Zeutern, um die letzte Sicherheit über die Witterungsbedingungen vor Ort zu gewinnen. Acht Grad unter Null zeigte das Thermometer an und damit nach wochenlangem Warten erstmals in diesem Winter [Anmerkung des Webmasters] und bis Ende Februar auch gleichzeitig das einzigste Mal [Ende] im Kraichgau die für die Eisweinlese erforderlichen Minusgrade. Um 4 Uhr in der Frühe wurden die Erntehelfer zusammengerufen und rückten gemeinsam ins "Himmelreich" aus.
Für die notwendige Beleuchtung im Weinberg hatte Karl Hirsch ein Stromaggregat und Halogenstrahler dabei. Nach der Öffnung der im Herbst zum Schutz der Trauben angebrachten Netze wurden die steinhart gefrorenen Trauben abgeschnitten und eingesammelt. Die Kälte schien dabei niemanden etwas auszumachen, zumal etliche sogar nach kurzer Zeit die Handschuhe wieder beiseite legten und die Lese der gefrorenen Beeren mit bloßen Händen fortsetzten.
Nach gut zwei Stunden waren alle Trauben abgeerntet und wurden sofort zur gutseigenen Weinpresse gebracht, die für die "Eiswein-Aktion" ebenfalls auf Minusgrade gebracht worden war, um ein vorzeitiges Auftauen des wertvollen Leseguts zu vermeiden. Auch beim eigentlichen Keltervorgang musste Karl Hirsch größte Vorsicht und Fingerspitzengefühl walten lassen, denn die gefrorenen Trauben dürfen nicht zu einem großen Eisklumpen zusammengedrückt werden. Beim Pressen von Eisweintrauben wird nur der süßeste Saft, dessen Gefrierpunkt unterm demjenigen von Wasser liegt, als hoch konzentrierter Most gewonnen, während das in den Beeren enthaltene Wasser als eis auf der Kelter zurückbleibt. "Der gefrorene Maischekuchen würde die Membrane und die Saftkanäle der Presse schwer beschädigen, und der Pressvorgang könnte nicht fortgesetzt werden", beschreibt Kellerchef Karl Hirsch die Folgen einer fehlerhaften Handhabung.
Doch in Odenheim lief nun alles dank optimaler Vorbereitung bestens ab, und am Ende konnte Karl Hirsch seinen Helfern, die sich inzwischen in der gutseigenen Besenwirtschaft Petite Willegaß beim Frühstück wieder aufgewärmt hatten, ein hervorragendes Ernteergebnis mit bis zu 155 Öchslegraden vermelden. "Jetzt warten wir den Gärverlauf ab und hoffen natürlich auf ein edles Tröpfchen, denn der Eiswein soll das i-Tüpfelchen für den zu Recht hochgelobten Jahrgang 2003 werden!", blickt Karl Hirsch mit Spannung auf die kommenden Wochen und Monate voraus. Voraussichtlich im September oder Oktober wird der Eiswein aus Odenheim in den Verkauf gelangen."
An dieser Stelle nochmals unseren herzlichsten Dank an die zahlreichen, helfenden Hände ohne die unsere Eisweinlese nicht möglich gewesen wäre.

Elisabeth und Karl Hirsch